Obergrochlitzer Sven Hendel stabilisiert Reichenbacher Krankenhaus nach Insolvenz

Obergrochlitzer Sven Hendel stabilisiert Reichenbacher Krankenhaus nach Insolvenz Sven Hendel (rechts) freut sich über das außergewöhnliche Abschiedsgeschenk.

Für Sven Hendel, dem Leiter der Paracelsusklinik Reichenbach, war es anlässlich seiner Verabschiedung bestimmt das schönste und gleichzeitig berührendste Geschenk, als ihm die MVZ-Koordinatorin Andrea Gruschwitz und die Qualitätsmanagementbeauftragte Julia Dietzsch eine selbst gebastelte Säule mit Fotografien und weiteren Erinnerungen samt der unübersehbaren Überschrift „Best Boss ever“ (Bester Chef aller Zeiten) überreichten. Hendel verlässt auf eigenem Wunsch aufgrund veränderter Aufgabenschwerpunkte des Paracelsuskonzerns das Unternehmen. Zahlreiche Mitarbeiter des Hauses, der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und weiteren Gäste dankten ihm für seine aufopferungsvolle Tätigkeit an dieser im Jahr 2017 in die Insolvenz geratene Klinik. Darunter der Medizinische Geschäftsführer von Paracelsus, Christian Utler, der Hendel als einen erfahrenen und außerordentlich engagierten Fachmann beschrieb, der sich immer für die Interessen der Klinik und der Mitarbeiter eingesetzt und wesentlichen Anteil am Wiedererstarken des Reichenbacher Hauses habe. Im Jahr 2018 übernahm Hendel diese Einrichtung und führte sie bis Ende Juli dieses Jahres aus den roten Zahlen. Das hatte mit Sicherheit nichts mit Zauberei zu tun, vielmehr baute der Greizer Hendel vor allem auf drei Säulen seiner Initiativen, die er im Rahmen einer Video-Präsentation erläuterte. Dazu gehörten vor allem viele persönliche Gespräche mit Mitarbeitern, um zum Bleiben zu bewegen, die weitere Qualifizierung eines Teils des Personals sowie zahlreiche Neueinstellungen sowohl Umstrukturierungen in den Abteilungen. Vor allem mussten die Kosten unter Kontrolle gebracht werden. Dazu gehörte der Abbau der teuren Honorarkräfte im Pflege- und Funktionsdienst, im OP- sowie im Diagnosebereich. „Dabei waren dicke Bretter im gesamten Konzern zu bohren. Hand in Hand ist es unserem Leitungsteam gelungen, die Abwanderungen zu stoppen und sogar eine Vielzahl Ärzte für den Klinikbereich sowie für die MVZ im Vogtlandgebiet einzustellen und konnten diese somit auf 26 Vertragssitze erhöhen, darunter auch zwei Allgemeinmediziner“, erklärte Hendel. Großer Wert wurde auf die Weiterbildung des medizinischen Personals gelegt. Dazu konnte ein Kooperationsvertrag zum gegenseitigen Vorteil mit der von Frieder Neidel geführte Berufsfachschule für Altenpflege und Pflegeberufe Werdau abgeschlossen werden, der sich vor allem im Bereich der Pflege, der optimalen Patientenbetreuung beispielsweise von Lungenerkrankungen sowie insgesamt der Sicherstellung einer hochwertigen, den gesetzlichen Anforderungen entsprechenden Fachausbildung. Jüngst mussten auch die Herausforderungen der Corona-Pandemie gemeistert werden. „Zum Glück gab’s bei uns kein Ausbruchsgeschehen“, erklärte der scheidende Klinikleiter erleichtert. Der gebürtige Greizer Sven Hendel nahm in der Endphase seines Wirtschafts-Studiums bereits 2011 seine Tätigkeit bei Paracelsus auf, war drei Jahre Finanz- und Controllingchef in Reichenbach und danach Verwaltungsleiter der Kliniken Zwickau und Reichenbach sowie Klinikmanager in Adorf/Schöneck. „Wir haben mit Sven Hendel gute Zeiten in der Klinik erlebt. Er hat die Menschen vor allem mit viel Transparenz überzeugt“, erklärte Lutz Winkler, Chefarzt der Radiologie, der den Weggang des Klinikleiters sehr bedauert. Als Jugendlicher spielte der heute 36-jährige Sven Hendel aktiv Fußball beim FC Greiz sowie dem SV Blau Weiß 90 und ist heute noch großer Fan dieser Sportart. Dass er auch jede Menge Humor besitzt, zeigen die Teilnahmen an den Rosenmontagsumzügen seiner Heimatstadt als Mitglied des Obergrochlitzer Karnevalsvereins, in dessen Reihen er sich vor allem um die Versorgung der Besucher von Faschingsveranstaltungen kümmert. Beruflich wird es künftig für ihn nicht unbedingt einen Abschied aus dem Vogtland geben. Doch vor der Aufnahme neuer Aufgaben stehen Reisen auf dem Programm und vor allem die Bewältigung des gesamten Jakobsweges zur Selbstfindung, wie er abschließend verriet.

Christian Freund

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