Zuerst begeben wir uns mit der Greizer Thomasstraße in die Vergangenheit – ins Jahr 1964:

  1. Rue de Plamage – Straße der Plamage

Seit Dezember 1990 heißt die Straße wieder Thomasstraße. Sie befindet sich in einem sehr guten baulichen Zustand in einer verkehrsberuhigten Zone (deshalb wieder Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h). Die angrenzenden wertvollen historischen Gebäude dokumentieren unter anderem den Jugendstiel und die Gründerzeit.
Die Thomasstraße ist wahrscheinlich die Greizer Straße mit den häufigsten Umbenennungen (siehe auch Wikipedia: Liste umbenannter Straßen und Plätze in Greiz und siehe ebenfalls Stadt Greiz / Bürgermagazin / Amtsblatt – Ausgabe 05/2026 auf Seite 5 = amtsblatt202605.pdf):
Fleischergässchen (vor 1904), An der Gräßlitz (ab 1904), Thomasstraße (ab 1923), Stalinstraße (ab 1949), Straße des 1. Mai (ab 1961) und wieder Thomasstraße (seit 1990).
1964 hieß die Thomasstraße „Straße des 1. Mai“ und befand sich in einem sehr maroden Zustand. Für den „Flick-Konzern“ war es zu spät, um nur die Schlaglöcher zu stopfen. Diese Straße über das damalige Flüsschen Gräßlitz war immerhin die Fernverkehrsstraße F 94 nach Schleiz (heute als Bundesstraße B 94 bekannt).
Die Greizer nannten diese Straße im Volksmund „Rue de Plamage“ – „Straße der Plamage“. Mein Deutschlehrer fragte mich in der 4. Klasse, wie diese Straße aktuell hieße. Ich antwortete mit „Rue de Plamage“. Er korrigierte mich, dass sie jetzt sogar „Straße des Friedens“ hieße (käme von „Ruhe in Frieden.“).
Bis heute ist unklar, wer den französischen Namen „Rue de Plamage“ vergab. Zum einen könnten es die Greizer selbst gewesen sein, zum anderen wäre auch die Variante aus Saint-Quentin/Frankreich denkbar. Schließlich entstand am 29.11.1961 eine Städtepartnerschaft zwischen Greiz und Saint-Quentin – einer Stadt in Nordfrankreich am Fluss Somme mit 52.000 Einwohnern. Die Greizer Stadtväter luden auch Kinder aus Saint-Quentin ins Ferienlager in den Sommerferien ein. So könnte der Name „Rue de Plamage“ eventuell vom Saint-Quentiner Kindermund stammen?
Sehr interessant sind die Details auf dem ersten Foto von Vogtlandspiegel.de :
Auf der damaligen Straße des 1. Mai (mit Geschwindigkeitsbegrenzung 20 km/h) liegen „Pferdeäpfel“ (von einem 2 PS-Pferdefuhrwerk der damaligen Greizer Spedition Meyer oder Piering?). Rechts hält ein HO-Transporter (HO = Handelsorganisation). Links und rechts befinden sich zwei Werbeschilder: UT (= UT-Lichtspiele) und Foto Deylig (damaliges namhaftes Greizer Fotostudio mit Farbfilmlabor). Über der Straße ist der Turm des Oberen Schlosses zu sehen.
Hilfe zu einem wichtigen Detail – bitte genau hinsehen: Beim linken Gebäude verlaufen zwei ehemalige Oberleitungen parallel zwischen der ersten und zweiten Etage bis zum UT-Werbeschild. Zu dieser Zeit verkehrten hier immerhin O-Busse (elektrische Oberleitungsbusse) auf der F 94 von Greiz Sankt Adelheid zur F 92 nach Elsterberg.
Die (Auf-) Lösung für die „Rue de Plamage“:
Die ehemalige Pflasterstraße über der Gräßlitz wurde grundlegend saniert/ausgebaut mit neuem Untergrund und mit einer neuen Bitumendecke abgeschlossen 1964.
Die restlichen Fotos dokumentieren die heutige, sehenswerte Thomasstraße.

Mit einem Symbolfoto starten wir in den „Sternburger Wald“ (An der ehemaligen Stelle einer Litfaßsäule wurde hier eine symbolische leere Mehrwegbierflasche eingeklont – ohne KI.).

  1. Sternburger Wald – Laubbaumbepflanzung am Von-Westernhagen-Platz zur Brauhausgasse und Marienstraße

Der Clou: Nach Eingabe des Begriffs „Sternburger Wald“ bei der Suchmaschine „Google“ taucht sofort auf: „Park, Greiz“, „Brauhausgasse 5“ sowie „Öffnungszeiten: Rund um die Uhr geöffnet“.
Dieser kleine Park in Greiz stellt eine Laubbaumbepflanzung am Von-Westernhagen-Platz zur Brauhausgasse und Marienstraße dar (Anlage nach 1990 errichtet).
Für ältere Greizer ist zum Verständnis die Fläche zwischen der damaligen „Großen HO“ und dem ehemaligen “Haus der Jugend“ gemeint.
Bereits am 06.10.2018 veröffentlichte OTZ PLUS – Ostthüringer Zeitung PLUS ONLINE den Artikel „Alkoholverbotszone in Greiz wird diskutiert“. Ein Zitat: „… Im Fokus hat man vor allem den Von-Westernhagen-Platz vor der Altstadtgalerie, der im Volksmund bereits als „Sternburg-Wäldchen“, benannt nach der Biermarke, bekannt ist …“.
Regelmäßig trifft man im „Sternburger Wald“ auf den Bänken diszipliniert genießende „Dienstbiertrinker“ an. Prost!
Das Flaschenbier könnte eventuell von einem Discounter aus der Altstadtgalerie stammen?
Wenn der Leser nach diesen zwei Themen etwas schmunzeln kann, wäre mein Wunsch erfüllt.
Vielen Dank gilt auch den Herren Christian Freund und Rainer Marsch für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages.

Text und Fotos: Jürgen Pohle sowie erstes Foto von Vogtlandspiegel.de

Quellen / interessante Links zu Straßen und Plätzen in Greiz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_umbenannter_Stra%C3%9Fen_und_Pl%C3%A4tze_in_Greiz
https://www.greiz.de/verwaltung/buergermagazin-amtsblatt
= amtsblatt202605.pdf = Bürgermagazin / Amtsblatt der Stadt Greiz, Ausgabe 05/2026, Seite 5
https://vogtlandspiegel.de/alte-ansichten-greiz-20-jahrhundert/1804472/
https://vogtlandspiegel.de/alte-ansichten-greiz-20-jahrhundert/1804472/#jp-carousel-1804307
https://www.otz.de/politik/article224700599/Alkoholverbotszone-in-Greiz-wird-diskutiert.html